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   Pressemeldungen

Pressemeldungen/Pressespiegel

Einsatz von Open Source bei geschäftskritischen Anwendungen
03.12.2008

Am 03. Dezember 2008 veranstaltete Future Network ein Managementforum zum Thema „Open Source bei geschäftskritischen Anwendungen“ im IBM-Forum in Wien. Der Informationsaustausch zu den Aspekten Anwendung, Entwicklung und Einsatz sowie den damit verbundenen Möglichkeiten und Grenzen gestaltete sich abwechslungsreich und intensiv.

Für Diskussionen unter den anwesenden Teilnehmern sorgte bereits die von Christoph Eichbichler präsentierte Marktanalyse von Steria Mummert Consulting zum Einsatz von Open Source Software (OSS) im geschäftskritischen Umfeld in der Finanzdienstleistungsbranche. So ortet Steria Mummert zwar ein deutlich steigendes Interesse der Finanzdienstleister an Open Source, aktuelle Erhebungen zeigen aber, dass in den Bereichen ERP, CRM und allgemein High-End-Datenbanken noch kaum Open-Source-Anwendungen eingesetzt werden.
Immer noch würden viele Entscheider den Einsatz von Open Source auf den Infrastrukturbereich beschränken. „Gleichzeitig gilt allerdings festzuhalten, dass Unternehmen der Finanzdienstleistungsbranche in den letzten Jahren nicht zuletzt durch die Kostensituation zunehmend positive Erfahrungen bei der Evaluierung von Open Source gemacht haben und die IT-Investments durch das verstärkte Angebot an professioneller Servicedienstleistung zunehmen“, fasst Eichbichler zusammen.
Für den IKT-Dienstleister des Bundes, das Bundesrechenzentrum (BRZ), hat sich der Einsatz von Open Source (OS) hingegen längst etabliert. „Ob bei FinanzOnline, E-Health, SAP oder der Ausstellung von fälschungssicheren Identitätspapieren – bei all diesen Produkten spielt Open Source mittlerweile eine Rolle. Der Kunde bekommt davon überhaupt nichts mit“, erklärt Michael Hauser vom BRZ. Als Voraussetzung für den erfolgreichen und sicheren Einsatz von Open Source Tools in geschäftskritischen Anwendungen gilt Hauser zufolge der ausreichende Verbreitungs- und Reifegrad der Tools. Ist dieser gewährleistet, gebe es bezüglich des Einsatzes keine Unterschiede zu kommerziellen Produkten, so Hauser mit Verweis auf die OS-Tools Spring und Eclipse. Eine erfolgreiche OS-Strategie müsse Mitarbeiter zudem miteinbinden sowie Richtlinien und Kontrollmechanismen schaffen.
Die Frage, ob Open Source unternehmenstauglich ist, stellt sich für Alexander Schatten vom Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme der TU Wien hingegen überhaupt nicht mehr: „Google und eBay sind mit ihren Plattformen der beste Beweis dafür, dass Software auf Open-Source-Basis einwandfrei funktioniert.“ Für Unternehmen, die mit OS-Projekten punkten wollen, sei es allerdings essenziell, eine qualitativ hochwertige Community rund um diese Projekte aufzubauen. "Während proprietäre Produkte früher im Geheimen entwickelt und schließlich über Marketing und Vertrieb ihren Weg zum Konsumenten fanden, ist bei einer offenen Software-Entwicklung die öffentliche Interaktion mit Anwendern und Entwicklern Teil der erfolgreichen Strategie", erläutert Schatten.
Dem OS-Experten zufolge ist für den mittel- und langfristigen Erfolg eines Projekts weniger der aktuelle Ist-Zustand eines Software-Releases entscheidend, sondern inwiefern die Anwender in den Feedback- und Entwicklungsprozess direkt miteingebunden werden können. Schatten geht sogar soweit, die OS-Kommunikations- und Kollaborationsstruktur als vielversprechenden Ansatz für die Gestaltung moderner Wirtschaftsprozesse zu erachten. "Sowohl in der Softwareentwicklung als auch in der Wirtschaftsentwicklung im Allgemeinen spielen geografische Grenzen heutzutage kaum eine Rolle mehr. Um das vorhandene Wissens- und Talentepotenzial optimal auszuschöpfen, sind Netzwerke notwendig, über die entsprechende Kooperationen und Kollaborationen organisiert werden können", so Schatten.
Dass man mit Open Source bzw. der Verknüpfung von Open Source und proprietärer Closed Source Geld verdienen kann, ist auch schon länger kein Geheimnis mehr. Torsten Hallmann von Novell sah sich in seinem Vortrag vom Geschäftsmodell Mixed Source Software seines Unternehmens überzeugt. „Das Nebeneinander von Open Source und proprietärer Software bzw. von Windows, UNIX und Linux ist gerade in Rechenzentren großer Unternehmen längst Realität. Novell hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass IT ungeachtet dieser Voraussetzungen als einheitliches Ganzes funktioniert“, so Hallmann.
Im Novell-Portfolio finden sich zwar immer noch auch einige proprietäre Produkte, für die der Kunde eine Dauerlizenz und Maintenance erwerben muss. Gleichzeitig propagiert Novell allerdings auch eine Reihe von Linux-Produkten ohne Kauflizenz bzw. Open-Source-Produkte, die wiederum nur mit einem Abonnement für Updates und Support erworben werden können. Neben der Interoperabilität steht für Hallmann auch die Gewährleistung eines zuverlässigen Lebenszykluses von zumindest 7 Jahren im Vordergrund.
Mit IBM und Microsoft treten zwei weitere maßgebliche Marktplayer den Beweis an, dass der Erfolg von OS- und freier Software auch an diesen nicht spurlos vorüber gegangen ist. Während IBM mit der Lotus Symphony Suite ein kostenloses, aktualisiertes Office-Programmpaket für Unternehmen und Privatanwender aus dem Hut zaubert und die Kompatibilität zum OpenDocument-Format ODF wie auch Microsoft-Formaten propagiert, zeigt sich Microsoft den neuen OS-Entwicklungen ebenfalls aufgeschlossen.
Der Ruf der Kunden nach einem reibungslosen Zusammenspiel von Software-Anwendungen aus der OS-Community mit Microsoft-Plattformen bleibt nicht ungehört. Neben der Mitarbeit in OS-Projekten und Partnerschaften mit OS-Playern wie etwa Novell oder Mozilla will Microsoft in Wien auch mit dem kürzlich gestarteten Innovation Center punkten, das als Beitrag zu einer verbesserten Interoperabilität verstanden wird. Gerhard Göschl von Microsoft Austria ortete folglich auch eine Umkehr vom vermeintlichen Konkurrenzdenken früherer Tage. „Wir sehen Open Source Software per se nicht als Mitbewerb, sondern vielmehr als Chance, sich im Sinne der Kunden und Partner gegenseitig zu befruchten. Wir haben längst in der Praxis bewiesen, dass Microsoft-Technologien und Open-Source-Produkte gut zueinander passen“, so Göschl.
Um die Vernetzung der Branche zu unterstützen und letztlich die Professionalisierung der OS-Branche voranzutreiben, spielt die Organisation der Community etwa über Vereine eine gewichtige Rolle. Bereits etabliert hat sich die Linux Solutions Group (LiSoG), die im deutschsprachigen Raum OS-basierte Lösungen begleitet und fördert. Wie Nico Gulden von der LiSoG in seinem Beitrag zusammenfasst, ist OSS nicht prinzipiell schlechter oder besser als proprietäre Software und wird wie diese ebenfalls nicht von Fehlern verschont. Als größten Vorteil für Anwender und Unternehmen sieht Gulden allerdings den anderen Denkansatz, der offene Innovationen, Kollaborationen und eine Bündelung von Wissen und Intelligenz fördere. Mit offenen Standards werde auch die Wahlfreiheit und Unabhängigkeit der Anwender garantiert, folgert Gulden.
Erst in seinen Startlöchern steht hingegen die österreichische Open Source Software Business Information Group (OSSBIG), die als Verein im November 2007 unter anderem von der Raiffeisen Informatik mitbegründet wurde. „Wir sind davon überzeugt, dass Open Source ein probates Mittel darstellt, um IT-Kosten zu senken“, erklärt Georg Hahn von der Raiffeisen Software Solution GmbH. Als oberstes Ziel des Vereins gilt es, den Open-Source-Gedanken stärker in Unternehmen und der Öffentlichkeit zu verankern und durch den Einsatz von OSS einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der IT-Wertschöpfung in Österreich zu erreichen.
Für 2009 plant der derzeit noch geschlossen agierende Verein, weitere Mitglieder aus den Bereichen Industrie, Krankenwesen, Telekommunikation, Bund und Land aufzunehmen und mit diesen Referenzprojekte zur Stärkung der OS-Szene in Österreich zu entwickeln. Zu den derzeitigen Mitgliedern zählen neben dem Bundesrechnungszentrum etwa Magna Steyr, die Stadt Wien (MA 14), das Bundesministerium für Finanzen sowie die Donau Versicherung AG Vienna Insurance Group.
Seit Jahren Erfahrung mit dem praktischen Einsatz von Open Source in geschäftskritischen Bereichen hat Joachim Niederreiter von BrainForce SolveDirect Solutions. "Seit unserem Start 2001 laufen alle Open Source Komponenten stabil und performant" war das Resumee seines Vortrags unter dem Titel "SaaS meets Open Source". SolveDirect Solutions betreibt die weltweit größte Service Management und Kommunikation Plattform auf Basis von SaaS ("Software as a Service").
Die Verfügbarkeit und die Performance sind wesentlich, da auch große europäische Unternehmen die Plattform 7x24 benutzen und die Verarbeitung und Weitermeldung von kritischen Störungen im Minutenbereich erfolgen muss. Bisher konnten alle diesbezüglichen Vorgaben durch den Einsatz von Open Source erfüllt werden.
Abgerundet wurde die spannende Veranstaltung von Rechtsanwalt Markus Andrèewitch von der Kanzlei andrèewitch & simon, der auf die rechtlichen Problemstellungen bei der Verbindung von Open Source mit proprietärer Software aufmerksam machte. So bereiten die unterschiedlichen Lizenzmodelle mit ihren unterschiedlichen Rechten und Pflichten selbst Juristen Kopfzerbrechen, wenn es gilt herauszufinden, ob im Unternehmen weiterentwickelte OSS mit einem proprietären Modell verknüpft werden darf oder gar in jedem Fall der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden muss. Die rege Diskussion sowie die zahlreich geäußerten Fragen im Anschluss an den Vortrag zeigten die Wichtigkeit der Thematik in Bezug auf den Einsatz von Open Source in Unternehmen auf. Als kompetenter wie interessierter Moderator leitete Tony Fricko von IBM durch die Veranstaltung.

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